Blarney Castle, Ring of Beara & Dursey Island

Mit Irlands einziger Seilbahn über den Atlantik

Wie bis dato jede Nacht in Irland war auch die vergangene in Corks Montenotte Hotel unglaublich ruhig. Erstaunlich, da das ein oder andere Haus doch recht alt und knarzig wirkt, das Besucheraufkommen durchweg hoch ist und man vom Zimmer aus häufig auf den Parkplatz oder die Straße blickt.

Ein klein wenig aufwärts geht’s heute beim Frühstück: Am Büffet gibt’s Rührei und Tomaten, viel Obst sowie drei verschiedene Arten Süßkram – Spiegelei, Pancakes und andere Speisen müsste man hingegen wie üblich bestellen.

Montenotte Hotel Büffet

Das ist uns den Aufwand dann doch nicht wert, zumal das Personal beim Frühstück zwar stets effizient, aber wenig enthusiastisch wirkt. Verwunderlich, wo alle anderen Angestellten in ihrer Freundlichkeit doch fast amerikanisch daherkommen.

Vielleicht haben wir in den drei Kettenhotels in Galway, Belfast und Dublin am Ende des Urlaubs ja mehr Glück mit dem Frühstück.

Blarney Gardens

Blarney Castle

Unser erstes Ziel am heutigen, fünften Reisetag ist Blarney Castle. Das befindet sich nur gut 15 km nordwestlich von Cork, was dazu führt, dass wir erst um Viertel vor neun das Hotel verlassen – so spät sind wir in noch kaum einem Urlaub mal gestartet.

Dem Berufsverkehr entgeht man so natürlich nicht, aber da wir morgens üblicherweise aus den Städten hinausfahren und die Pendler herein, stehen wir kaum im Stau, sondern müssen lediglich darauf achten, dass im Gedränge niemand unseren rechten Spiegel mitnimmt.

Als wir Blarney Castle um kurz nach neun erreichen, sind wir dennoch bei Weitem nicht die ersten Besucher; der Besucherparkplatz ist bereits erstaunlich bevölkert.

Turm von Blarney Castle

Mit 18 Euro pro Person fällt der Eintritt alles andere als günstig aus, allerdings hat es die riesige Anlage auch in sich: Wir hatten ja schon Powerscourt vor ein paar Tagen für groß und weitläufig gehalten, doch im Vergleich zu Blarney Castle und seinen Gärten erscheint uns Powerscourt rückblickend geradezu winzig.

Ausblick in Blarney

Fern und Poison Gardens locken hier, der Lake Walk dort, doch unser Augenmerk gilt zunächst natürlich Blarney Castle selbst, zu dem auch all die anderen Besucher umgehend strömen. Als wir uns der Burgruine nähern, erahnen wir, warum: „90 minutes waiting time from this point“ verkündet ein Schild auf dem Weg, weitere markieren 60 und 30 Minuten Wartezeit bis zum Blarney Stone.

Blarney Stone Kuss

So schlimm wird es heute wohl nicht werden, dennoch drängen sich schon jetzt die ersten darum, eben jenen Stein zu küssen, der dem Kussgeber Eloquenz schenken soll. (Die mir offensichtlich fehlt; Kussgeber, was’n das?!)

Immerhin erkenne ich einen Touristennepp, wenn ich ihn sehe – Fotoabzüge seines Kusses kann man ab 10 Euro das Stück käuflich erwerben – und wenn ich mal Bock auf Herpes bekommen sollte, dann hol ich ihn mir sicher auf ’ne schönere Art und Weise als von einem versifften, alten Stein.

Im Ernst: Blarney Castle übertreibt’s mit dem Kommerz, auch im Vergleich zu Powerscourt und dem Rock of Cashel, doch ein wenig: Gift Shops hier, Cafés dort, dazu die Eintritts- und Fotopreise, die Wartezeiten und die unzähligen Busgruppen…

Wasserfall im Garten

Aber es ist nicht so, dass sich der Besuch nicht lohnen würde: Die riesige Anlage ist gepflegt wie vielfältig und neben all den unterschiedlichen kleinen Gärten gibt es sogar drei markierte Trails, von denen der längste etwa anderthalb Stunden Zeit in Anspruch nehmen soll – nur so zur Einschätzung, wie weitläufig das Gelände tatsächlich ist.

Blarney House

Wir besuchen hier lediglich die, zugegeben, recht beeindruckende Burg an sich sowie den mit circa 45 Minuten veranschlagten Lake Walk und sind trotzdem gut zwei Stunden beschäftigt.

Ring of Beara

Die nächsten anderthalb Stunden verbringen wir im Auto: Über mehrere Landstraßen geht es gen Westen zum Ring of Beara, dem etwas kleineren und etwas weniger bekannten Gegenstück des nördlich gelegenen Ring of Kerry, den wir morgen abfahren wollen.

Wie schon beim noch einmal deutlich kleineren Ring of Hook vor ein paar Tagen kann man an zig Ecken und in zig Dörfern stoppen, doch wir konzentrieren uns auf einige wenige Ausblicke und eine längere Wanderung.

Ring of Beara

Diese absolvieren wir auf Dursey Island, dem Ort in Europa, in dem die Sonne am spätesten untergeht. (Wir würden gerne behaupten, wir hätten das gewusst. Tatsächlich hat es uns ein Schild verraten.)

Die Überfahrt vom Festland zur Insel findet interessanterweise nicht etwa mit einer Fähre, sondern mit einer Seilbahn statt, anscheinend der einzigen Seilbahn ganz Irlands. Die ist ein wenig in die Jahre gekommen, versprüht aber einen gewissen Charme, genauso wie ihre Betriebszeiten: Täglich von 0930 bis 1930 Uhr – mit Ausnahme von 1300 bis 1330, da ist Mittagspause.

Seilbahn auf Dursey Island

Wir erreichen die Insel gegen 1400 Uhr, zahlen 20 Euro für die Fahrt und steigen in die urige Kabine; sie fährt ohne Pause und unabhängig von Fahrgästen von morgens bis abends hin und zurück, hin und zurück.

Kaum sind wir an Bord, setzt sich die Seilbahn auch schon in Bewegung, also noch schnell die Tür schließen, damit wir nicht ein unfreiwilliges Bad im Atlantik nehmen. Die Kabine schafft nicht einmal Schritttempo, erreicht in gut zehn Minuten jedoch ihr Ziel.

Seilbahnkabine Dursey Island

Auf Dursey Island angekommen, springen wir schnell von Bord und folgen dann den Schildern, die auf den Trail über die Insel hinweisen – natürlich führt er wieder einmal über eine Schafwiese.

Ein Hütehund begleitet uns anfangs ein paar Schritte, als wolle er uns den Weg zeigen, bekommt dann jedoch offenbar Langeweile und konzentriert sich lieber darauf, schweigsam seine Herde zusammenzutreiben. Man glaubt ja gar nicht, wie Schafe rennen können…

Das Sehenswerte auf Dursey Island sind aber selbstredend nicht die Tiere, sondern die Ausblicke und von denen gibt es hier viele.

Dursey Island Ausblick

Schaf am Meer

Schafe auf Dursey Island

Kurz gefasst: Eine großartige Wanderung auf einer faszinierenden Insel. Die wenigen Autos gehören übrigens den Inselbewohnern – die gibt es tatsächlich –, die ab und zu mit einer kleinen Fähre (offenbar nach Bedarf) die paar Meter ans Festland schippern.

Coachmans Townhouse Hotel

Kenmare

Endpunkt des heutigen Streckenabschnitts ist Kenmare, zugleich Ausgangspunkt für die morgige Fahrt über den Ring of Kerry nach Killarney. Kenmare ist wirklich ein Dorf, das im Grunde nur aus ein, zwei Straßen besteht, die von bunten Pubs gesäumt sind und – wie könnte es anders sein – in einer Kirche münden.

Wir essen noch eine Kleinigkeit in unserer Unterkunft für die heutige Nacht, Coachmans Townhouse Hotel, und lassen uns dann ins Bett fallen. Das Zimmer erinnert ein wenig an ein amerikanisches Motel; riesig, aber ein wenig in die Jahre gekommen. Die Hauptsache jedoch: Es ist wieder unglaublich ruhig.

Strecke: 225 km, am Ring of Beara etwas langsam, sonst zügig
Essen: Fish’n’Chips im Pub unseres Hotels, war ganz ordentlich
Hotel: Coachmans Townhouse, einfach, aber für eine Nacht top!

Empfehlenswerte Hotels in Irland

Kilkenny: Langton House, erstaunlich große Unterkunft mit tollen Restaurants und guten Zimmern
Killarney: The Ross Hotel, bestens gelegen, dennoch ruhig und freundlich, schöne Bars und Lokale
Cork: The Montenotte, zu Fuß etwa 25 Minuten vom Zentrum, dafür sehr ruhig gelegen und modern
Galway: Jury's Inn, nichts das neueste, aber sehr zentrale Lage gleich an der Fußgängerzone
Belfast: Hampton Inn, brandneues Hotel in bester Zentrumslage und mit äußerst fairen Preisen
Dublin: The Morrison, Radisson BLU, zwei sehr gute Hotels in guter Lage, nachts recht ruhig

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