Cliffs of Moher, The Burren & Galway

Und ein Besuch bei den Dough Bros...

Die EU ist an und für sich ja schon eine tolle Sache: Keine Passkontrollen an der Grenze, kein Geldwechseln im Urlaub und eine Wahl mehr, bei der man zu Hause bleiben kann – dafür bekomme ich gerne einen Teil meines Einkommen abgezwackt. Die EU macht mit dem Geld dann viele sinnvolle Sachen, zum Beispiel den großartigen Martin Sonneborn bezahlen und Geld an Länder überweisen, denen es nicht ganz so gut geht wie uns.

Außerdem subventioniert die EU allerlei Projekte verschiedenster Natur und vielleicht ist das der Grund, warum die Iren die EU ganz besonders zu lieben scheinen. So weht neben jeder irischen auch die EU-Flagge im Wind und allerorts weisen Schilder darauf hin, dass dieses oder jenes von der EU finanziert wurde.

Cliffs of Moher Visitor Center

Dazu zählen unter anderem die touristischen Einrichtungen an den Cliffs of Moher, den bekanntesten Steilklippen des Landes, vielleicht sogar dem Wahrzeichen Irlands.

All das finden wir echt toll, Ode an die Freude singen wir fünf Mal täglich gen Brüssel gerichtet.

Jetzt kommt der Haken: Der Parken an den Cliffs of Moher kostet 8 Euro. Pro Person. Mit anderen Worten: Wir zahlen 16 Euro, damit wir unseren Mietwagen auf einem Parkplatz abstellen dürfen, der, zu einem winzigen Teil, von unseren Steuergeldern erbaut wurde. Hätten wir nicht gezahlt, gäbe es hier wahrscheinlich ein paar kostenlose Parkbuchten.

Das finden wir nicht so toll.

Ausblick auf die Cliffs of Moher

Natürlich sind die 8 Euro offiziell nichts fürs Parken, sondern für die „Cliffs of Moher Visitor Experience“, was eine sehr optimistische Umschreibung von „Toiletten“ ist.

Nun gut. Davon abgesehen sind die Cliffs of Moher schon irgendwie nett, wenn auch vielleicht nicht ganz so außergewöhnlich und beeindruckend wie erhofft. Möglich, dass das Ganze vom Meer aus doch noch einmal imposanter aussieht als vom bequemen Viewpoint oben.

The Burren National Park

The Burren National Park

Recht schnell weiter geht’s daher in The Burren, einem auf Fotos vielleicht nicht besonders schönen, in Person aber doch recht sehenswertem Kalksteingebiet, durch das wir eine kleine Wanderung unternehmen.

Interessant ist, wie unterschiedlich man in Irland den Begriff des National Parks interpretiert: In den Wicklow Mountains bedeutete das: Riesiger Parkplatz (dort übrigens pauschal 4 Euro pro Auto), Visitor Center, Cafés und Imbisse, hier in The Burren gibt es eine Aussparung am Straßenrand, auf die vielleicht vier PKWs passen, und zwei Trail-Hinweistafeln.

Kalkstein in Burren

Nach unseren Eindrücken von den Cliffs of Moher, bei denen der Busparkplatz ähnlich groß war wie die eigentlichen Klippen, sind wir allerdings ganz froh drüber.

Zentrum von Galway

Rundgang durch Galway

Anschließend machen wir uns auf den Weg nach Galway, nach Dublin, Cork und Limerick die viertgrößte Stadt in Irland, den Norden nicht mitgezählt.

Das bedeutet zwar gerade einmal knapp 80.000 Einwohner, doch Galway genießt den Ruf, die hipste, modernste City des Landes zu sein, und entsprechend lebendiger wirkt sie – das San Francisco Irlands, wenn man so will.

Galways Kathedrale von innen

Unser Hotel für die heutige Nacht, das Jury’s Inn, befindet sich in idealer Lage in der Quay Street, einem schmalen, altstädtischen Sträßchen, das von Kneipen, Lokalen, Souvenir-Shops und Musikern gesäumt wird.

Fußgängerzone in Galway

Wie so oft: Ganz schön was los hier, nicht zuletzt, weil viele Einheimische trotz (oder wegen) 12° C in den Pubs und Restaurants noch draußen sitzen und auch Montagmittag schon einmal die ersten Pints leeren.

Kathedrale in Galway

Unser weiterer Rundgang durch Galway führt uns unter anderem zum Eyres Square, wo diese Woche ein großes Comedy-Festival stattfindet, zur großen, sehenswerten Bucht sowie zu Galways Kathedrale, die wieder einmal unglaublich modern und „sauber“ wirkt, toll beleuchtet ist.

Galway bei Nacht

Besonders gefällt uns an Galway aber, dass es hier eine Fußgängerzone gibt und der Stadt der Kompromiss zwischen historischen oder zumindest altmodischen Häuserfassaden und modernen Shopping-Centern gut gelingt.

Zum wiederholten Male fallen uns darüber hinaus die unzähligen Eisdielen auf, die anscheinend überwiegend selbstgemachte Eiscreme verkaufen und ähnlich stark frequentiert werden wie manch ein Pub.

Wenn man hier in Irland lange Schlangen sieht, dann ist es immer entweder für Bier oder für Eis. Sollten wir in Dublin am Ende unserer Reise vielleicht auch mal probieren.

Pizza bei Dough Bros

Dough Bros & Jury Inn

Wie bereits erwähnt, genießt Galway den Ruf, sehr hip zu sein, und das zeigt sich womöglich nirgendwo stärker als bei seiner Restaurantlandschaft: Jeder Imbiss hier hat seine eigenen Biere, seine eigenen Mahlzeiten, seine eigene Philosophie und seine eigene Geschichte.

Weil wir in unserem Urlaub noch keine Pizza hatten, entscheiden wir uns heute mal für die „Dough Bros“, die davon erzählen, wie sie 2013 mit einem kleinen Food Truck begonnen und über den kalten Winter hinweg wahnsinnig ge-„struggled“ haben, bis ihnen dank „word of mouth“ (organic, sicherlich) irgendwann die nicht vorhandene Bude eingerannt wurde und sie ihr eigenes Lokal eröffnen „mussten“.

Und weil man mit seiner Story natürlich konsequent sein möchte, bestellt man bei den Dough Bros nicht am Tisch, sondern beim Reingehen an der Theke, wo man auch gleich bezahlt und das bestellte Bier (zwei Dosen plus zwei Gläser) zu einem Tisch seiner Wahl tragen darf.

Dough Bros Galway

An den Wänden findet man allerlei witzige Aufforderungen und „authentische“ Hochglanzfotos der drei Gründer, um der sympathischen Story auch noch ein paar sympathische Gesichter zu geben.

Nichtsdestotrotz: Man kann dem Koch beim Belegen und der Pizza beim zweiminütigen Backen im Holzofen zusehen, sie schmeckt wirklich gut und über den Preis kann man nicht meckern.

Wir würden wiederkommen, Bros!

Jurys Inn in Galway

Das zuvor schon angesprochene Jury’s Inn ist genau das Gegenteil von den Dough Bros: Teil einer Kette, ein wenig altmodisch und insgesamt ziemlich gewöhnlich, aber für eine Nacht absolut in Ordnung.

Und: Beim Frühstück morgen soll es ein „echtes“ Büffet geben! Danach geht es weiter zu Kylemore Abbey und in den Connemara National Park.

Strecke: 225 km, ging heute recht zügig, weil gut aufgeteilt
Essen: Dough Bros, betont hip, aber sehr leckere Pizza
Hotel: Jury’s Inn, tolle Lage, gut für eine Nacht

Empfehlenswerte Hotels in Irland

Kilkenny: Langton House, erstaunlich große Unterkunft mit tollen Restaurants und guten Zimmern
Killarney: The Ross Hotel, bestens gelegen, dennoch ruhig und freundlich, schöne Bars und Lokale
Cork: The Montenotte, zu Fuß etwa 25 Minuten vom Zentrum, dafür sehr ruhig gelegen und modern
Galway: Jury's Inn, nichts das neueste, aber sehr zentrale Lage gleich an der Fußgängerzone
Belfast: Hampton Inn, brandneues Hotel in bester Zentrumslage und mit äußerst fairen Preisen
Dublin: The Morrison, Radisson BLU, zwei sehr gute Hotels in guter Lage, nachts recht ruhig

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