Hook, Jerpoint Abbey, Kells & Kilkenny

Wie man sich eine Stadt in Irland vorstellt

Am gestrigen Abend hatten wir noch mit Freude vernommen, dass das Frühstück in unserem Hotel bereits um 7 Uhr startet. Heute, um 7 Uhr, ist die Freude ein wenig gedämpfter: Das laut Bewertungen „fantastische“ Frühstücksbüffet stellt sich Büffetchen heraus, eigentlich gibt es nur ein bisschen Süßkram. Zusätzlich darf man sich zwischen drei, vier recht ähnlichen „made to order“-Speisen entscheiden, von denen wir, naja, zwei Drittel stehenlassen.

Ansonsten war das Riverside Park Hotel in Ordnung – wir haben gut geschlafen -, doch ein zweites Mal würden wir hier nicht übernachten. Die Chancen, dass es uns noch einmal nach Enniscorthy verschlägt, sind sowieso gering.

Ring of Hook

Kleiner Abstecher zum Ring of Hook

Bei der Planung des heutigen Tages waren wir uns ein wenig unsicher, da wir nicht so recht einzuschätzen wussten, wie viel Zeit man wohl am Nachmittag in Kilkenny sinnvoll aufwenden kann: Die Stadt wirkt klein, die Anzahl an Sehenswürdigkeiten aber recht groß. Wir entscheiden uns daher, nur einen kurzen Abstecher zum Ring of Hook zu unternehmen und dann über Jerpoint Abbey und Kells direkt nach Kilkenny zu fahren.

Die Straßen erscheinen uns im Südosten Irlands doch etwas breiter als um Dublin herum – vielleicht haben wir uns aber auch einfach schon daran gewöhnt, genauso wie wir uns nach zwei Tagen bereits an den Linksverkehr gewöhnt haben. In den Morgenstunden macht das Autofahren trotz des etwas dichteren Verkehrs hier ohnehin Spaß, wenn das Laub der Bäume am Straßenrand gelb-grün schimmert.

Hook Leuchtturm

Bereits gut eine Stunde nach der Abfahrt aus Enniscorthy erreichen wir den Ring of Hook, der über die recht kleine Halbinsel Hook Head führt. Unser Hauptziel ist der Hook-Leuchtturm, einer von „Ireland’s greatest lighthouses“, wie Hinweisschilder verraten. Tatsächlich ist der Leuchtturm recht imposant, uns beeindruckt im ersten Moment allerdings der enorme Wind mehr: Bis wenige hundert Meter vor dem Ziel war es beinahe windstill und dann bekommen wir plötzlich kaum die Autotür auf.

Der Leuchtturm wirkt zwar sehenswert, aber auf einen intensiveren Besuch verzichten wir aufgrund des stürmischen Wetters dann doch.

Jerpoint Abbey

Jerpoint Abbey & Kells

Stattdessen fahren wir mit ein, zwei kurzen Zwischenstopps – unter anderem am Duncannon Beach – weiter in Richtung Kilkenny. Auf dem Weg dorthin halten wir bei Jerpoint Abbey, einem der unzähligen verlassenen und verfallenen Kloster Irlands.

Im Voraus fanden wir es schwierig, einzuordnen, welche all dieser Ruinen wohl wirklich interessant sein könnten, aber hier lagen wir schon einmal gut, denn der Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Klosterruinen

Die Abbey wirkt auf den ersten Blick recht klein, ist aber etwas weitläufiger als man denkt, und vor allem sind noch genügend Überreste erhalten, um einen guten Eindruck davon gewinnen zu können, wie das Kloster wohl einst ausgesehen haben muss.

Ruinen von Kells

Ähnliches gilt auch für das nur wenige Minuten entfernte Kells, eine noch einmal deutlich größere Anlage. So groß, dass sie offenbar als Schafswiese dient. Wir hätten ältere Schuhe anziehen sollen…

Auch das Wetter spielt übrigens wieder mit; das bisschen Nieselregen ist kaum der Rede wert.

Pubs in Kilkenny

Rundgang in Kilkenny

Kurz nach Mittag erreichen wir dann Kilkenny und können das Auto praktischerweise direkt auf dem Parkplatz hinter unserem Hotel für die heutige Nacht abstellen, dem Langton Hotel.

Von dort aus steuern wir als erstes Kilkenny Castle an und bemerken schon auf dem Weg dorthin, dass Kilkenny ziemlich genau so aussieht, wie wir uns irische (Klein-)Städte vorgestellt haben: Hunderte schmale Geschäfte mit bunt angestrichenen Fassaden, zig Gasthäuser wie Pubs und überhaupt eine sehr „urige“ Atmosphäre.

Ein Stück weit mag das künstlich oder zumindest gewollt sein, denn man kann die Touristenbusse hier geradezu riechen, aber nicht so, dass es uns stören würde.

Kilkenny Castle
Kilkenny Castle
Kilkenny Castle, ab Ende des 12. Jahrhunderts erbaut, steht am Rande einer riesigen Parkanlage an, kann für ein paar Euro von innen nahezu komplett besichtigt werden – und im Gegensatz zu vielen anderen vergleichbaren Schlössern erfüllt das Innere die äußerlichen Erwartungen.

Schloss in Kilkenny von innen

Alles wirkt authentisch und detailreich eingerichtet, nur wenig befindet sich hinter Absperrungen und kaum ein Raum steht leer, sodass sich tatsächlich erschließen lässt, wie das Schloss einst genutzt wurde und zu seinen besten Zeiten ausgesehen haben mag.

Roundtower Kilkenny
St. Canice’s Cathedral & Round Tower
Nächstes Ziel unseres Rundgangs ist die Sankt-Cainnech-Kathedrale, wie sie laut Wikipedia auf deutsch heißt, wieder einmal mit imposantem Round Tower, den man ausnahmsweise aber auch erklimmen darf.

Wir widmen unser Augenmerk jedoch zunächst der Kathedrale – und sind beeindruckt: Die Architektur und die schönen Fenster gefallen, vor allem aber sieht alles so „sauber“ aus.

Die Kathedrale von innen

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, die Steinwände und das hölzerne Dachwerk seien aus Pappmaché und Teil einer Filmkulisse. Irgendwie seltsam, aber toll!

Anschließend geht es auf den Round Tower hinauf, was sich doch als schwieriger erweist als zunächst erwartet: Die steilen Holztreppen sind kein großes Problem, aber zwischen den Treppen bleiben vielleicht 30 cm Platz, um sich an den von oben kommenden Besuchern vorbeizuquetschen.

Ausblick vom Roundtower

Der Ausblick von der Spitze des Turms belohnt für die Anstrengungen trotz trüben Wetters aber einigermaßen und der Weg nach unten – rückwärts natürlich – gestaltet sich überraschenderweise angenehmer. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass man in diese Richtung keine Angst haben muss, dass der 120 kg Mann vor einem gleich abrutscht und auf einen stürzt…

Kirche in Kilkenny
Weitere Kirchen
Unser Rundgang führt uns zu weiteren Kirchen, aus denen vor allem die Black Abbey hervorsticht – St. Canice’s Cathedral nicht unähnlich, ebenfalls mit tollen Fenstern, seltsam „sauber“ und interessant ums Eck gebaut.

Auch St. John und St. Mary’s sind von außen toll anzuschauen, von innen jedoch einen Tick gewöhnlicher, wenn nicht gar modern.

Dunnes Supermarkt in Irland
Geschäfte
Anschließend schlendern wir ein wenig von Geschäft zu Geschäft und statten auch den beiden gar nicht mal so kleinen Shopping-Centern des Städtchen einen Besuch ab.

In dem entdecken wir dann endlich den ersten brauchbaren Supermarkt auf dieser Reise, auch wenn „Dunnes“ eher an eine Mischung aus Carrefour und Kaufhaus erinnert; der Eingangsbereich ist von Parfüm sowie Kleidung geprägt und die Lebensmittel befinden sich etwas versteckt in der Ecke.

Immerhin aber sieht der Dunnes bei Weitem nicht so gammelig aus wie der ganz schlimme Tesco in Bray vorgestern und der nicht viel bessere SuperValu in Enniscorthy gestern – beide gehörten den wohl größten Supermarktketten des Landes an.

Zudem wirkt der Dunnes seltsamerweise einen Tick günstiger als Tesco und SuperValu, in denen uns viele Preise doch ein wenig schockiert haben: Im Schnitt doppelt so teuer wie in Deutschland wäre noch untertrieben. Schwer nachzuvollziehen, wie das in Zeiten der Globalisierung, der EU und des Euros noch möglich ist, zumal andere Waren (Kleidung, Elektroartikel, Benzin) sich etwa auf dem gleichen Preisniveau bewegen wie bei uns.

Essen in Imbissen und Restaurants auf der anderen Seite ist erstaunlicherweise nicht viel teurer als zu Hause, lediglich für Getränke zahlt man einen Tick mehr.

Hungry Moose Burger

Hungry Moose & Langton House

Apropos Restaurants: Direkt neben unserem Hotel entdecken wir einen nett aussehenden Burger-Imbiss namens Hungry Moose. Burger hatten wir zwar erst vorgestern, aber in den USA schaffen wir es, drei Wochen lang jeden Tag nichts anderes zu essen, also warum nicht.

Und, ohne Übertreibung: „The Spicy One“ mit chili con carne, red peperoni cheese und salsa de jalapeño könnte der beste Burger sein, den ich jemals gegessen habe. Wer hätte gedacht, dass der Trick für den perfekten Burger es ist, auf das Hackfleisch noch einmal Hackfleisch zu werfen? Nicht ich!

Die Sweet Potato Fries sind ähnlich schmackhaft und auch das Bier, ein „Barking Squirrel“, überzeugt. Im Nachhinein finden wir heraus, dass das Hungry Moose sogar für den besten Burger Irlands ausgezeichnet wurde.

Langton House Hotel

Das Hotel für die heutige Nacht, das Langton House, hält ebenfalls mehr, als es auf den ersten Blick verspricht. Sieht man das Haus von der Straße, denkt man, es handele sich um einen mittelgroßen Pub mit ein paar Gästräumen, doch das Innere ist riesig – mehrere Bars, Restaurants, ein Gartenlokal, weitere Hotelgebäude… Wahnsinn.

Zimmer im Hotel

Unser Zimmer befindet sich im Hauptgebäude, in dem man vor abendlicher Live-Musik „warnt“, von der wir im zweiten Stock allerdings zum Glück nichts mitbekommen sollen.

Morgen geht es über den Rock of Cashel weiter nach Cork.

Strecke: ca. 175 km, insgesamt eine recht angenehme Fahrt
Essen: Burger bei Hungry Moose, einfach nur fantastisch
Hotel: Langton Hotel, außen unscheinbar, innen toll

Empfehlenswerte Hotels in Irland

Kilkenny: Langton House, erstaunlich große Unterkunft mit tollen Restaurants und guten Zimmern
Killarney: The Ross Hotel, bestens gelegen, dennoch ruhig und freundlich, schöne Bars und Lokale
Cork: The Montenotte, zu Fuß etwa 25 Minuten vom Zentrum, dafür sehr ruhig gelegen und modern
Galway: Jury's Inn, nichts das neueste, aber sehr zentrale Lage gleich an der Fußgängerzone
Belfast: Hampton Inn, brandneues Hotel in bester Zentrumslage und mit äußerst fairen Preisen
Dublin: The Morrison, Radisson BLU, zwei sehr gute Hotels in guter Lage, nachts recht ruhig

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