1. Tag: Howth, Powerscourt House & Gardens, Bray

Hinflug nach Dublin und unsere ersten Stunden in Irland

Es ist schwierig, den „optimalen“ Flug zu finden. Fliegt man nachmittags, kann man in Ruhe zum Flughafen fahren, sitzt davor aber ungeduldig zuhause herum und verschwendet im Grunde einen Urlaubstag. Fliegt man früh morgens, hat man noch den ganzen Tag vor sich, muss dafür jedoch zu unchristlichen – und ich nehme an, auch in anderen Kulten unsittlichen – Zeiten auf- und die zu erwartende Müdigkeit irgendwie durchstehen.

Weil wir es mit dem Glauben nicht so haben, hielten wir den morgendlichen Flug für die bessere Wahl – aber wenn der Wecker dann tatsächlich um vier Uhr klingelt, bringt man doch nicht viel mehr hervor als: „Mein Gott…“

Nach Dusche, Kaffee und zwei runtergewürgten Scheiben Toast sind die gröbsten Leiden aber auch schon wieder verdrängt und so geht es um 0445 frisch und frohen Mutes zum Flughafen. (Beides ist natürlich gelogen, aber wir wollen den Reisebericht ja nicht zu negativ beginnen.)

Dank weitgehend freier Straßen – die sonntagmorgendlichen Schlangenlinienfahrer ausgenommen – sind wir eine Viertelstunde später da, stellen unser Auto im Parkhaus ab, uns selbst bei der Ryanair’schen Gepäckaufgabe an… und können kaum glauben, wie viel hier schon los ist.

Eigentlich sollte es bei Ryanair ja schnell gehen, eingecheckt hat schließlich schon jeder, aber irgendwie warten wir trotz sechs offener Schalter eine halbe Stunde. Also zügig weiter durch die angenehm desinteressierte Security und zum Gate, dort findet zu unserer Überraschung eine Ausweiskontrolle statt – vielleicht, weil man von Irland ohne weitere Grenzkontrolle ins Vereinigte Königreich einreisen kann?

Wie dem auch sei; sonst stehen wir uns am Flughafen häufig die Füße platt, heute hat aber bereits das Boarding begonnen, als wir unser Gate erreichen, also gleich weiter an Bord, Getränke müssen warten.

Ryanair Cockpit

Hinflug mit Ryanair

Pünktlich um halb sieben hebt das Flugzeug dann auch schon ab, zwei Flaschen Wasser und einen (sehr guten) Kaffee gibt’s für insgesamt 9 Euro. Kann man nicht meckern, schätze ich, auch wenn die Flugbegleiterin auf einen 20-Euro-Schein erstmal kein Wechselgeld parat hat. Dann eben später.

Zunächst aber erfolgt die inzwischen fast schon obligatorische Durchsage: „Befindet sich ‚medical personal‘ an Bord?“ Dürfte inzwischen das vierte Mal innerhalb der letzten zwölf Monate sein, dass sich jemand an Bord nicht ganz wohl fühlt – ob es an uns liegt? Wahrscheinlich wohl doch eher an der frühen Stunde. Auch die Cabin Crew ist noch nicht ganz wach und will uns dann gleich zwei Mal die 11 Euro zurückgeben.

(Ein Moment, in dem uns einfällt, dass Eurowings uns seit über einem halben Jahr noch über 700 Euro schuldet, aber das ist eine andere Geschichte…)

Kaffee bei Ryanair

Überhaupt kann man über Ryanair ja sagen, was man will, aber sie sind fast immer pünktlich, und irgendwie ist es ja auch standesgemäß, mit einer irischen Fluggesellschaft nach Irland zu fliegen. Außerdem weiß man dank immer gleicher Flugzeuge exakt, was man bekommt – und dank immer gleichem Service auch, was man nicht bekommt.

Insgesamt ist unser Flug jedenfalls bestens; dank erster Reihe geht die Beinfreiheit für zwei Stunden absolut in Ordnung und das Wetter spielt ebenfalls mit: In Dublin ist es, ungewöhnlicherweise wohl, nahezu windstill, am Himmel sind nur wenige Wolken zu sehen und so ist es beinahe sonnig, als wir gegen 0740 Ortszeit aufsetzen.

Mietwagen in Irland

Fahrzeugübernahme

Nachdem man lange gesessen hat, ist es ja bekanntlich gesund, sich ein wenig die Beine zu vertreten. In Dublin hat man sich dieses Wissen offenbar zu Herzen genommen und den Flughafen entsprechend angelegt; nach dem endlos langen Weg vom Gate zum Bagage Claim ist man entweder wieder fit oder benötigt jetzt wirklich „medical personal“.

Danach gestaltet sich der Flughafen – oder zumindest Terminal 1 – aber recht übersichtlich; nachdem wir das Gepäck in den Händen halten, geht es gleich weiter zur Autovermietung, deren kleine Schalter sich übersichtlich in einer Reihe im Eingangsbereich befinden.

Wir haben unseren Mietwagen für die nächsten gut zwei Wochen erstmals bei Enterprise reserviert und sind positiv überrascht: Führerschein und Kreditkarte vorzeigen, Telefonnummer hinterlegen… das war’s? Keine Versuche, uns unnötige Versicherungen aufzuquatschen oder uns ein unnötiges Upgrade aufzudrängen, wie wir es vor allem von Sixt, Europcar oder – brrr! – Hertz kennen. Kaum zu glauben!

Kofferraum des Mietwagens

Auch die Organisation ist hier bestens: Die freundliche Dame am Schalter funkt schnell den Busfahrer draußen vor der Tür an, dass wir gleich kommen, und so geht es ohne jegliche Wartezeit weiter mit dem Shuttle zum Mietwagenparkplatz. Auch dort werden wir freundlich in Empfang genommen, Schlüssel in die Hand und dreimalige Versicherung, dass wir gegen alles versichert sind – also „no worries“, wenn’s ein paar Kratzer oder Macken gibt, „you’re all good“!

Bestellt hatten wir ein Auto der Kompaktklasse (VW Golf oder ähnlich), tatsächlich bekommen wir einen Skoda Octavia, der mindestens eine Kategorie größer aussieht; im riesigen Kofferraum könnte ein anspruchsloser Mensch problemlos übernachten. Überhaupt ist die Ausstattung für einen Mietwagen überraschend gut, sogar eine Kamera fürs Rückwärtsfahren gibt’s.

Wichtiger sind für den Anfang aber vermutlich eher die drei an der Windschutzscheibe befestigten Aufkleber, die empfehlen, man möge doch bitte links fahren…

Ausblick in Howth

Howth & Cliff Walk

Ein bisschen Linksfahrerfahrung konnten wir aber bereits in Asien sammeln und so sind die ersten Meter auf Irlands (unglaublich engen) Straßen nicht allzu schwierig. Allein beim Abbiegen und in all den augenscheinlich geliebten Kreisverkehren muss man doch sehr darüber nachdenken, aus welcher Richtung denn nun jemand kommen könnte.

Boote in Howth

Vom Flughafen aus steuern wir zunächst Howth an, eine Halbinsel im Norden von Dublin gelegen, etwa eine halbe Stunde entfernt, wo wir eine kleine Wanderung zum Einstieg unternehmen wollen. Obwohl es gerade mal 9 Uhr ist, ist der Parkplatz am Trailhead des „Cliff Walks“ bereits erstaunlich voll.

Kirche in Howth

Zahlreiche Wanderwege stehen zur Auswahl. Wir entscheiden uns für den Hinweg zum höchsten Aussichtspunkt der Halbinsel für die rote Route, die direkt an der Küste entlang führt und etliche tolle Ausblicke mit sich bringt. Der Weg wirkt ein wenig uneben und recht steil, stellt sich im Großen und Ganzen aber als einfach heraus – auch wenn wir hier sicher nicht joggen würden, wie es etliche Einheimische tun.

Cliff Walk in Howth

Für den Rückweg wählen wir die blaue Route, die recht gradlinig ins Zentrum von Howth hinabführt, ein ganz nettes Städtchen mit weiteren schönen Möglichkeiten für ausgedehnte Spaziergänge. Die nutzen am heutigen Sonntag bei dem schönen Wetter dann auch viele Einheimische; unglaublich, wie viel hier trotz immer noch recht früher Stunde bereits los ist.

Powerscourt Gardens

Powerscourt House & Gardens

Von Howth aus fahren wir zunächst zurück in Richtung Dublin Airport und dann über die große Ringautobahn, die um die Stadt herum führt, gen Süden. Nächstes Ziel ist das Powerscourt House, eine riesige Anlage aus dem 18. Jahrhundert, mit eigenem Hotel, Golfplatz, dem namensgebenden Haupthaus und zahlreichen Gärten.

Turm in den Gärten

Das Hauptgebäude ist erstaunlicherweise alles andere als historisch belassen – hier befinden sich ein Café, ein Lebensmittel- sowie diverse Souvenir-Shops -, doch alles andere kann sich wirklich sehen lassen.

Powerscourt Gärten

Vom Turm über den japanischen und den italienischen Garten bis hin zu all den Statuen und Springbrunnen hinterlässt die gepflegte und für den Oktober erstaunlich bunte Anlage einen hervorragenden Eindruck.

Spaziergang auf dem Powerscourt Anwesen

Weil wir noch recht viel Zeit haben, statten wir anschließend auch noch dem ein paar Kilometer weiter südlich gelegenen Powerscourt Waterfall einen kurzen Besuch ab, dem höchsten Wasserfall Irlands.

Powerscourt Wasserfall

Sehenswert, wie auch die grundsätzliche Nutzung der gesamten Anlage, die ausdrücklich auch Familien und Kinder zum Spielen und „exploring“ einlädt; sogar picknicken und grillen darf man hier. Bei uns kaum vorstellbar.

Strand in Bray

Bray, Box Burger & The Strand

Anschließend begeben wir uns auf den Weg nach Bray, Ziel unserer heutigen Route und Howth nicht unähnlich, nur eben südlich Dublins gelegen. Ein kleiner Spaziergang am Strand entlang führt uns zu Box Burger, einem der offenbar recht zahlreichen „hippen“ Restaurants Irlands, das lokal gebrautes Bier und interessante Kreationen wie den „Peanut Butter & Jelly Burger“ verkauft. Beides schmeckt bestens.

Box Burger Bray

Unser Hotel für die Nacht ist dann das The Strand, das sich als „Home of Oscar Wilde“ vermarktet, was auf einheimische Urlauber (und / oder gebildetere Menschen) mehr Zugkraft haben mag als auf uns.

The Strand Hotel Bray
Das offenbar kürzlich renovierte Hotel befindet sich direkt zwischen der vielbefahrenen Strandstraße und einer Bahnlinie, auf dem geräumigen, ordentlichen Zimmer hört man jedoch überraschenderweise von beidem nichts, sodass sich der in der vergangenen Nacht verlorene Schlaf nachholen lassen sollte.

Morgen geht’s über Glendalough weiter nach Enniscorthy. Wir freuen uns!

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