Kylemore Abbey & Connemara National Park

Und ein unfreiwilliger Hotelwechsel...

Der Dienstagmorgen beginnt mit einer Überraschung, auch wenn wir es bereits geahnt hatten: Am zehnten Tag unserer Irland-Rundreise entdecken wir im Jury’s Inn in Galway erstmalig ein vollständiges Frühstücksbüffet. Es gibt Toast, Rührei, Spiegelei, Bohnen in Tomatensoße und eine Art Bratkartoffeln.

Woran’s liegt? Vermutlich daran, dass das Jury’s Inn im Gegensatz zu allen vorherigen Hotels einer Kette angehört und sich den vermeintlichen Service des Made-to-order-breakfasts nicht leisten kann.

Gut, dass wir uns in Belfast und Dublin, wo wir am Ende insgesamt noch vier Nächte verbringen werden, ebenfalls für die Filialen zweier großer Hotelketten entschieden haben.

Kylemore Abbey Drawing Room

Besuch von Kylemore Abbey

Ursprünglich wollten wir von Galway aus die Aran Islands ansteuern, doch da wir vergangene Woche bereits auf Dursey Island waren und uns die Küste in den letzten Tagen nur eingeschränkt begeistert hat, verzichten wir auf den Besuch, der den ganzen Tag in Anspruch nehmen würde.

Stattdessen steuern wir schon heute Kylemore Abbey an, die älteste irische Benediktinerinnenabtei und einst wohl auch Herrenhaus, das sich an einem großen See an einem wieder einmal unglaublich riesigen Anwesen befindet.

So riesig, dass zwischen der sehr fotogenen Abtei und dem zugehörigen Garten alle zehn bis fünfzehn Minuten ein Shuttle-Bus hin- und herfährt, um den Gästen den Fußweg zu ersparen.

Dining Room in der Abbey

Wir besuchen zunächst das Herrenhaus, das einen netten Eindruck macht, auch wenn man nur gut drei Räume zu Gesicht bekommt – der Rest wird wohl noch privat genutzt.

Besonders sehenswert ist der „Drawing Room“, in den sich die Damen des Hauses nach dem Mahl zurückziehen konnten, während die Männer sich über ernsthafte Dinge unterhielten.

Kirche nahe der Abbey

Neben der Abbey besichtigen wir noch eine kleine Kirche sowie ein Mausoleum, bevor es, tatsächlich mit dem Bus, zu den Gärten geht.

Gärten der Kylemore Abbey

Die sind schön angelegt, vor allem jedoch beeindruckend, weil der einstige Hausherr im 19. Jahrhundert bereits in der Lage war, hier unter anderem Bananen und Melonen anzubauen. Dazu erfand er offenbar die Beheizung seiner Gewächshäuser mit Hilfe dem Verbrennen von Kalkstein und Wasserrohren.

Gewächshaus im Garten

Den Rückweg zurück zum Visitor Center und Parkplatz gehen wir zu Fuß; die Strecke nimmt etwa zwanzig Minuten Zeit in Anspruch.

Wie so oft sind wir davon überrascht, wie viele Besucher es im späten Oktober noch hierhin verschlägt: Als wir um 10 Uhr ankamen, war der Parkplatz noch fast leer, eine Stunde später ist es brechend voll und die ersten Busse laden auch schon wieder ihre Insassen aus.

Connemara National Park

Spaziergang im Connemara National Park

Anschließend geht es weiter in den nur wenige Kilometer entfernten Connemara National Park, der – anders als The Burren gestern – wieder über ein kleines Visitor Center, ein Café und einen großen Parkplatz verfügt, obwohl es hier im Grunde nur einen echten Wanderweg gibt.

Genau den wollen wir dann auch gehen, knapp 4 km auf den Diamond Hill hinauf, von dem aus man tolle Ausblicke auf die Umgebung genießen soll, und anschließend (hoffentlich) auch wieder hinunter.

Diamond Hill Trail im Park

Der Weg beginnt harmlos, schlängelt sich dann aber recht schnell und steil den Berg hinauf. Gut: Wir haben immer vor Augen, wie weit es noch bis zum Gipfel ist. Schlecht: Hier bläst doch wieder ein ordentlicher Wind, der sich in Irland für uns bisher grundsätzlich ziemlich unberechenbar präsentiert – mal ist es beinahe windstill, mal bekommt man kaum die Autotür auf, und oft liegen nur wenige Kilometer dazwischen.

Kurz vor dem letzten Aufstieg kehren wir daher um; der Wind peitscht uns zu stark ins Gesicht und da es recht diesig ist, hätten wir von der Spitze ohnehin nicht allzu viel gesehen. Reden wir uns ein.

Ausblick von der Sky Road

Über die Sky Road nach Clifden

Auch wenn uns Irlands Westküste nicht gänzlich überzeugen konnte, versuchen wir es noch einmal mit der etwa 15 km kurzen Fahrt über die Sky Road, einen Scenic Drive zwischen dem Connemara National Park und dem kleinen Clifden. Die Straße ist ganz nett, doch wie immer in Irland fehlt es an Aussichts- oder auch nur Haltepunkten.

Sky Road in Clifden

Wir wissen nicht, ob das und die engen Straßen mit dem ganzen Private-Property-Wahn hier zu tun haben, aber dafür, dass der „Wild Atlantic Way“ an jeder Ecke beworben wird, erlauben all die Scenic Drives erstaunlich wenig Ausblicke auf eben jenen Atlantik.

Weiter geht es nach Clifden, wo wir in Guy’s Bar Fish’n’Chips essen, nach Kabeljau und Schellfisch heute mal vom Seehecht. Schmeckt – wie eigentlich immer bisher – sehr gut; schwer zu entscheiden, welcher der drei Fische der beste ist.

Fish & Chips bei Guys Bar

Anschließend checken wir ins Clifden Station House ein, laut TripAdvisor und Booking ein großartiges Hotel, das… schlechter kaum sein könnte: Im Zimmer ist es eisig, die Tür schließt kaum, es herrscht eine Lautstärke, als stände man auf der Straße, der Fernseher funktioniert nicht, das WLAN ebenfalls nur halbherzig, die Bettwäsche hat Löcher und das Bad wirkt ramponiert.

Ausblick auf dem Clifden Station House

Drei Nachfragen an der Rezeption werden zunächst ignoriert, dann gelangweilt und später genervt abgeblockt.

Bad im Clifden Station House

Wir haben in den USA schon in Motels übernachtet, bei denen viele nicht mal auf den Parkplatz gefahren wären, aber das Clifden Station House spottet jeder Beschreibung und so entscheiden wir uns fürs Weiterfahren – vermutlich hätten wir hier ohnehin kein Auge zugetan.

Zimmer im Clifden Station House

Als Alternative tun wir spontan ein Hotel im etwa anderthalb Stunden entfernten Westport auf, mit 65 Euro deutlich billiger als das Clifden Station House (mehr wollten wir auch nicht ausgeben, falls die Betreiber sich nicht „kulant“ zeigen) und um Klassen besser. Ruhig gelegen, schönes Zimmer, freundliche Rezeption – und drumherum einer der unzähligen Golfplätze Irlands. Hier lässt es sich aushalten.

Morgen geht es weiter über den Ballycroy National Park und Sligo bis Enniskillen.

Strecke: 100 km + 75 km, ärgerlich, aber fuhr sich ganz gut
Essen: Guy’s Bar in Clifden, sehr gute Fish’n’Chips mal wieder
Hotel: Westport Country Lodge Hotel, eine Wohltat nach dem Station House

Empfehlenswerte Hotels in Irland

Kilkenny: Langton House, erstaunlich große Unterkunft mit tollen Restaurants und guten Zimmern
Killarney: The Ross Hotel, bestens gelegen, dennoch ruhig und freundlich, schöne Bars und Lokale
Cork: The Montenotte, zu Fuß etwa 25 Minuten vom Zentrum, dafür sehr ruhig gelegen und modern
Galway: Jury's Inn, nichts das neueste, aber sehr zentrale Lage gleich an der Fußgängerzone
Belfast: Hampton Inn, brandneues Hotel in bester Zentrumslage und mit äußerst fairen Preisen
Dublin: The Morrison, Radisson BLU, zwei sehr gute Hotels in guter Lage, nachts recht ruhig

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