Unsere Rundreise im Rückblick

Gesammelte Eindrücke aus zwei Wochen in Irland

Zwei Wochen in Irland (sowie Nordirland) liegen hinter uns – vieles hat uns gefallen, manches weniger. Zeit für einen kleinen Rückblick: Was hätten wir bei unserer Reiseplanung anders gemacht, was genauso?

Ausblick auf den Upper Lake

Was uns sehr gefallen hat

Die Berge: Gleich am zweiten Tag der Rundreise besuchten wir mit dem Wicklow Mountain National Park den, in Hinblick auf seine Natur, vermutlich sehenswertesten Abschnitt unserer Route. Die Wanderung um den Upper Lake herum war äußerst anstrengend, aber gleichermaßen lohnend wie belohnend, und auch zahlreiche andere Ausblicke in dieser Region konnten sich sehen lassen.

Kilkenny Castle

Kilkenny: Die erste, für irische Verhältnisse, große Stadt unseres Urlaubs war zugleich auch eine der schönsten. Touristisch, ja, aber der Spagat zwischen klischeebeladen und authentisch schien für uns hier zu stimmen. Und die Sehenswürdigkeiten in Kilkenny – von all den kleinen Straßen mit ihren bunten Geschäften über die Black Abbey bis hin zu St Canice’s Cathedral mit ihrem Roundtower – gefielen uns ausnahmslos.

Belfasts City Hall

Belfast: Vielleicht die größte Überraschung unserer Rundreise, auch weil wir nicht genau wussten, was uns hier erwarten würde. Belfast stellte sich im Großen und Ganzen als äußerst angenehm heraus, mit vielen Sehenswürdigkeiten, die man allesamt gut zu Fuß erreichen konnte. Auch das Einkaufsviertel hinterließ einen positiven Eindruck, einzig und allein die Restaurants konnten uns nicht so recht überzeugen.

Fish'n'Chips in Killarney

Das Essen: Nein, mit dem Frühstück sind wir nicht warm geworden, doch davon abgesehen war das irische Essen erfreulich schmackhaft. Ob nun klassische Fish’n’Chips – am liebsten mit Kabeljau oder Schellfisch -, kreative Burger mit Marmelade und Erdnussbutter, Sandwich oder Pizza, fast alles schmeckte bestens!

Schaf am Meer

Was gut war

Das Wetter: Im Wesentlichen hatten wir mit dem Wetter Glück. Anfang Oktober hat es anscheinend doch ziemlich viel geschüttet und gestürmt, wir hingegen hatten keinen einzigen Tag, an dem es wirklich stark regnete. An drei von fünfzehn Tagen hat es mal leichter, mal stärker genieselt – keine schlechte Quote. Allein der häufig doch starke Wind war mitunter recht eisig.

Klippen an der Küste

Nordirlands Küste: Dort waren wir an einem der Tage mit weniger gutem Wetter, doch was wir sehen konnten, hat uns weitgehend gefallen: Dunluce Castle machte im Nebel einen netten Eindruck, der Giant’s Causeway wirkte einmalig und auch die Hängebrücke bei Carrick-a-Rede war den Besuch wert. Mit etwas besserer Sicht hätten wir hier sicher noch deutlich mehr unternommen.

Pubs in Killarney

Killarney: War ziemlich voll, allerdings aus weitgehend nachvollziehbaren Gründen, denn sowohl in der Stadt als auch im Killarney National Park gab es eine Menge zu sehen. Neben dem schönen, langen Spaziergang zu Ross Castle wird uns natürlich der Gap of Dunloe in Erinnerung bleiben – so eine kurvige, enge und doch viel befahrene Straße haben wir selbst in den USA noch nicht befahren.

Dursey Island Ausblick

Ring of Beara: Mag ein wenig im Schatten des Ring of Kerry stehen, doch die Rundfahrt über die Beara-Halbinsel hat sich gelohnt, vor allem dank Dursey Island. Mit der Seilbahn über den Atlantik zu fahren, wenn auch nur ein paar Dutzend Meter, war ein Erlebnis, und die Insel an sich so ruhig wie sehenswert. Im Nachhinein wären wir dort gerne noch ein paar Stunden länger geblieben.

Die Kathedrale von innen

Die Kirchen: Eigentlich nicht so unser Ding, doch Irlands Kirchen wirkten vielfältig, bestens gepflegt und jede auf ihre eigene Art und Weise interessant. Auch die Friedhöfe mit ihren riesigen Steinkreuzen und die Kirchen-, Schloss- und Burgruinen konnten unsere Erwartungen erfüllen.

Exit through the gift shop

Was wir nicht so mochten

Den Tourismus: Wenn man an Irland denkt, denkt man an unberührte Natur und idyllische Dörfer, ein Stück weit an eine Insel weit weg vom üblichen Massentourismus und seiner Ausschlachtung. Dachten wir zumindest.

Die Realität könnte nicht ferner von dieser wohl etwas naiven Vorstellung entfernt sein; an vielen Orten hörte man mehr Französisch, Spanisch und Deutsch als Englisch, auf jedem Parkplatz standen die Touristenbusse in Reih und Glied – und die Iren schlachten den Tourismus gnadenlos aus.

Parken an den Cliffs of Moher? 8 Euro pro Person! Parken am Giant’s Causeway? 12 Euro pro Person! Eintritt in die Kirche? 7 Euro pro Person! Eintritt ins Museum? 22 Euro pro Person!

Bei fast allen kulturellen Sehenswürdigkeiten hieß es zudem stets „exit through the gift shop“ und wenn mal kein Platz für den Gift Shop war, dann baute man den Gift Shop einfach mitten in die Kirche – wie zum Beispiel in Dublins St. Patrick’s Cathedral – und trieb die Besucher wie Vieh trotzdem durch. Unangenehm.

Wanderweg bei Knocknarea

Fehlende Viewpoints: Gleichzeitig wirkt das Land vielfach mehr auf Bustouristen denn auf Individualreisende eingestellt. Warum baut und empfiehlt man „Küstenstraßen“, von denen aus man die Küste kaum sieht und auf denen man, wenn man sie sieht, aufgrund der Enge und fehlender Viewpoints nicht halten kann?

Touristenbusse schleichen über die Straße und ihre Insassen genießen von oben vermutlich einen besseren Ausblick, im PKW gleichwohl genießt man diesen Luxus nicht. Vielleicht einer der Gründe, warum wir von Irlands Küste – und insbesondere von dem so beliebten und hochgelobten Ring of Kerry – doch ziemlich enttäuscht waren.

Hinzu kam, dass man sich oft unwillkommen fühlte, da in beinahe jeder Ecke und an jedem Trail „private property“-Schilder standen.

Stadtrundgang durch Dublin

Dublin: So gut uns Belfast auch gefallen hat, Dublin war nicht unser Ding. Überlaufen, ein bisschen siffig, viele Obdachlose / Drogenabhängige und überhaupt irgendwie chaotisch. Hier ein paar Geschäfte, dort nochmal die gleichen Geschäfte, dazwischen ein paar dreckige Gassen – die Stadt hat durchaus ihre Sehenswürdigkeiten, aber insgesamt fehlte uns dort das Moderne, Aufgeräumte. Belfast war Gegenwart und Zukunft, Dublin 90er.

Powerscourt Gardens

Alles in allem aber…

… waren es zwei schöne Wochen in Irland. Die Wanderungen in den Wicklow Mountains, im Killarney National Park und auf Dursey Island, die Kirchen in Kilkenny und Cork, die Fußgängerzonen in Belfast und Galway – all das wird uns in guter Erinnerung bleiben, genauso wie das hervorragende Essen.

Länger als zwei Wochen hätten es aber nicht sein dürfen, vielleicht hätten sogar acht bis zehn Tage gereicht, um das „Wichtigste“ beziehungsweise das für uns wirklich Sehenswerte in Irland zu sehen. Aber das lässt sich im Voraus natürlich kaum abschätzen, die Routenplanung fiel uns teilweise doch schwer.

Festzuhalten bleibt auch, dass Irland wirklich teuer ist: Selbst in der vermeintlichen Nebensaison verlangten unsere Unterkünfte gesalzene Preise, das Essen war gut, aber teilweise nicht gerade günstig, von den Apothekenpreisen der irischen Supermärkte ganz zu schweigen.

Regal in irischem Supermarkt

Das wussten oder ahnten wir zwar alles im Voraus, aber dass unsere drei Wochen in Japan in diesem Jahr günstiger waren als unsere zwei Wochen in Irland – Flüge ausgenommen -, schockierte uns am Ende dann irgendwo doch.

Uneins sind wir über die beste Reisezeit: Wir waren mit dem Wetter zufrieden, allerdings hätte man vermutlich auch Pech haben können, die Gärten waren überraschend bunt, die Bäume mal mehr, mal weniger grün. Allerdings: Die Touristenmassen von Juni bis September würden wir beim besten Willen nicht erleben wollen. Möglich also, dass April bis Mai der beste Zeitraum für eine Irlandreise ist.

Um zum Punkt zu kommen: Irland war zu 80% schön, die Reise wert – und die fehlenden 20% mögen nicht zuletzt unserer eigenen Erwartungshaltung geschuldet sein.

Auch wenn wir uns nun doch sehr auf die USA im nächsten Jahr freuen, mit ihren breiten Straßen und Viewpoints und großen öffentlichen Geländen und… gut… auch Touristenmassen. Aber Touristenmassen, denen man ausweichen kann.

Empfehlenswerte Hotels in Irland

Kilkenny: Langton House, erstaunlich große Unterkunft mit tollen Restaurants und guten Zimmern
Killarney: The Ross Hotel, bestens gelegen, dennoch ruhig und freundlich, schöne Bars und Lokale
Cork: The Montenotte, zu Fuß etwa 25 Minuten vom Zentrum, dafür sehr ruhig gelegen und modern
Galway: Jury's Inn, nichts das neueste, aber sehr zentrale Lage gleich an der Fußgängerzone
Belfast: Hampton Inn, brandneues Hotel in bester Zentrumslage und mit äußerst fairen Preisen
Dublin: The Morrison, Radisson BLU, zwei sehr gute Hotels in guter Lage, nachts recht ruhig

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