Wicklow Mountains National Park & Glendalough

Eine anstrengende Wanderung mit tollen Ausblicken

Unsere erste Nacht in Irland war überraschend erholsam. Im „The Strand“-Hotel knackst bei jedem Schritt zwar ordentlich der Boden und unser Zimmer befindet sich direkt neben der Treppe, doch entweder sind die anderen Gäste leise oder wir müde genug, um uns nicht aus dem Schlaf trampeln zu lassen. Und auch die in höchstens 20 m Entfernung vorbeifahrenden Züge hört man, wie bereits erwähnt, tatsächlich nicht.

Überhaupt hat uns das Hotel – nicht zuletzt dank seiner renovierten Zimmer – sehr gut gefallen, einen kleinen Haken finden wir dann aber doch: Frühstück gibt’s erst ab neun und wenn wir eines im Urlaub mit Sicherheit um neun Uhr nicht machen, dann ist es frühstücken.

Da wir gestern beim ersten Einkaufen nicht an Frühstück gedacht haben, bleibt am heutigen Morgen nur eine Wahl: McDoof, was sonst? Keine tolle Auswahl, aber der Kaffee schmeckt gut und das ist ja die Hauptsache.

McDonald's in Bray

Zudem stellt sich die Filiale in Bray als enorm außergewöhnlich heraus; sie befindet sich im ehemaligen Rathaus der Stadt, 1882 erbaut und von der USA Today als „one of the coolest McDonald’s in the world“ ausgezeichnet, wie wir im Nachhinein herausfinden. Na, dann!

So gestärkt geht es zum zu dieser frühen Stunde pechschwarz aussehenden Lough Tay (auch als The Guinness Lake bekannt), der allerdings nur zu einem kurzen Fotostopp einlädt: Er befindet sich – wie offenbar so vieles in Irland – auf Privatgelände und darf deshalb nur aus großer Entfernung betrachtet werden. Wie viele „trespassers will be prosecuted“-Schilder auf diesen Umstand hinweisen, erstaunt.

Lough Tay (Guiness Lake)

Auch wenn Irland auf den ersten Blick sehr gastfreundlich erscheint, sehen all die „private property“-Hinweise in der freien Natur rund um Wanderwege für uns ein wenig befremdlich aus.

Boardwalk Wicklow Mountains

Die „White Route“

Auf keine derartigen Probleme sollte man – hoffentlich – im Wicklow Mountains National Park treffen, den wir als nächstes ansteuern. Auf dem Parkplatz am „Upper Lake“ sichern wir uns dank früher Stunde den gerade einmal dritten Parkplatz und beginnen dann unsere Wanderung an eben jenem See.

Trail am Upper Lake

Die Auswahl an Wanderwegen ist groß; wir entscheiden uns für die „White Route“, etwa 9 km lang, einmal um den See herum, soll drei Stunden dauern. Drei Stunden für 9 km? Lächerlich, wie anstrengend kann das schon sein?!

Trail in Wicklow National Park

Wie sich herausstellt: Ziemlich. Was die Karte verschweigt (oder wir mutmaßlich übersehen haben), ist nämlich, dass es nicht einfach um den See herum geht, sondern auch noch knapp 400 m bergauf.

White Route Trail

Anfangs, durch ein ehemaliges Minengebiet, wirkt der Weg nach oben trotz unebenen Untergrunds noch ganz gut machbar, doch je weiter wir kommen, desto mehr zweifeln wir an unserem Durchhaltevermögen.

Ausblick auf den Upper Lake

Letzten Endes aber ringen wir uns durch und werden oben mit tollen Ausblicken auf die Seen und ihre Umgebung belohnt.

Upper Lake Trailhead

Auch dem ein oder anderen Tier begegnen wir auf unserem Weg – irgendwie frustrierend, wenn sich blökende Steinböcke und brunftige Hirsche um ein Vielfaches leichtfüßiger bewegen als man selbst…

Glendalough im Wicklow National Park

Rundgang in Glendalough

Immerhin: Wir schaffen die Strecke trotz diverser Verschnaufpausen und Fotostopps in etwa zweieinhalb Stunden. Drei Stunden für 9 km? Lächerlich…

In der Zwischenzeit hat sich auf dem Parkplatz einiges getan und wir sind deutlich näher an drei verbleibenden freien Plätzen als an den anfänglich nur drei belegten. Nach einer kurzen Stärkung am Auto geht’s daher gleich weiter nach Glendalough, eine ehemalige Klostersiedlung, etwa einen Kilometer entfernt. Der Weg dorthin führt vorbei an einem zweiten See – wir nehmen an, das ist der Lower Lake.

Ruinen in Glendalough

Glendalough selbst ist dann ganz nett, auch wenn wir es, nicht zuletzt aufgrund des Besucheraufkommens, vielleicht doch einen Tick weitläufiger und besser erhalten erwartet hätten.

Sehenswert sind hier vor allem der hohe, spitze Roundtower sowie einige der Kreuze auf dem Friedhof. Durchaus einen Umweg wert, ja, aber eher keinen allzu weiten.

Dank der großartigen Wanderung (mit einer Stunde Abstand war sie dann schon wieder „großartig“) hat sich die Anfahrt über die schmalen Bergstraßen aber gelohnt.

Altamond House

Über die Altamond Gardens nach Enniscorthy

Dennoch: Jetzt ist erstmal Zeit, ein bisschen zu sitzen! Die nächsten anderthalb Stunden verbringen wir im Auto, lediglich unterbrochen durch einen kurzen Abstecher zu den Altamond Gardens.

Die erinnern recht stark an die Powerscourt Gardens, die wir gestern besucht haben – wenn der ein Jahr lang keinen Gärtner mehr zu Gesicht bekommen hätte.

Altamond Gardens

Das ist, wohl bemerkt, nicht abwertend gemeint, denn wo Powerscourt sich gänzlich dem Tourismus verschrieben hat und sich das mit mindestens 10 Euro pro Person (plus Einnahmen aus Souvenir-Shops und Café) gut bezahlen lässt, wirkt Altamond einen Hauch authentischer, natürlicher und ist mit 2 Euro „für den Parkplatz“ auch deutlich preiswerter.

Gärten von Altamond House

Zum Abschluss des Tages fahren wir nach Enniscorthy, wo wir kurz in einem Supermarkt stoppen – dazu in den nächsten Tagen noch mehr – und dann in unser Hotel einchecken.

Das Riverside Park macht von außen einen guten Eindruck, sein Innenleben könnte aber eine klein Modernisierung vertragen. Immerhin: Frühstück gibt’s ab 7 Uhr, das kommt uns entgegen. Unser Abendessen besteht aus einer viel zu großen Portion Fish’n’Chips.

Morgens fahren wir dann, eventuell über den Ring of Hook, weiter nach Kilkenny.

Strecke: ca. 150 km, in den Bergen etwas anstrengend
Essen: Fish’n’Chips in Enniscorthy, geschmacklich ausbaufähig
Hotel: Riverside Park, etwas altmodisch, aber in Ordnung

Empfehlenswerte Hotels in Irland

Kilkenny: Langton House, erstaunlich große Unterkunft mit tollen Restaurants und guten Zimmern
Killarney: The Ross Hotel, bestens gelegen, dennoch ruhig und freundlich, schöne Bars und Lokale
Cork: The Montenotte, zu Fuß etwa 25 Minuten vom Zentrum, dafür sehr ruhig gelegen und modern
Galway: Jury's Inn, nichts das neueste, aber sehr zentrale Lage gleich an der Fußgängerzone
Belfast: Hampton Inn, brandneues Hotel in bester Zentrumslage und mit äußerst fairen Preisen
Dublin: The Morrison, Radisson BLU, zwei sehr gute Hotels in guter Lage, nachts recht ruhig

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